Zweiter Advent

“Glänzen mit Lackschaden”

Schneller als gedacht ist er nun da, der Zweite Advent. Heute an einem besonderen Tag – dem Gedenktag des Heiligen Nikolaus, einst Bischof von Myra.
Viele Kinderaugen bringt er zum leuchten, sei es als süße Schokoladenvariante mit Stab und Mitra als Unterscheidung von Weihnachtsmann, oder in der Form, dass man am Vorabend seinen Schuh vor die Tür stellt und man diesen gefüllt bekommt, oder dass der Nikolaus einen Zuhause besucht – wenn nicht gerade Pandemie ist.

Viele Legenden und Erzählungen gibt es über sein Leben, sein Umgang mit den Menschen seiner Zeit. Seien es die drei Goldkugeln mit denen er drei Töchter vor der Zwangsheirat bewahrt hat, sei es die Abwendung einer Hungersnot durch geschickte Verhandlungen mit Matrosen und deren Schiffgütern und dem Gottvertrauen, dass wenn mehr vom Weizen abgeladen wird, es in der Hafenstadt des Königs nicht auffällt. Viele dieser öder ähnlicher Geschichten werden heute Kinder selber erzählen, oder erzählt bekommen.

Wenn ich den Heiligen Nikolaus sehe in kompletter Würde als Bischof oder ihn als Schokoladen-Nikolaus mit seinem verschmitzen Lächlen weiterreiche, wünsche ich mir immer, dass er ein wenig auf mich abfärbt. Nicht um selbst im golden Glanz zu stehen und mich anstrahlen zu lassen oder friedlich in meiner Komfortzone vor mich her zu schimmer, sonder ein Stück weit seine Leidenschaft für die Menschen, für den Nächsten, in meinem Tun abfärben zu lassen, dass ich den Menschen hinter der Alltagsmaske nicht aus dem Blick verliere – oder ist bei mir der Lack schon so ab, dass da garnichts mehr geht?

Auch das ist Advent, auf Kratzer suche zu gehen, zu schauen wo ist der Lack ab, wo brauch’ ich mal Zeit für mich, Zeit für meine Gottesbeziehungen, Zeit Kontakte zupflegen, Zeit etwas loszulassen, Zeit neue Wege zu gehen, damit meine “Grundierung” nicht verloren geht. Auch wenn es im Alltag nicht immer durchbricht, egal wie es um meinen “Lack” bestellt ist, für Gott bin ich Gold wert, er wird Mensch damit wir alle, da wo wir sind, ein wenig von ihm abfärben, das Nebelgrau durchbrechen. Wer weiß, vielleicht gelingt es uns ja auch schon im Advent mit Lackschaden zu glänzen.

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